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Buchkritik "Cabo Verde – Kapverdische Inseln" Reisehandbuch

am 13.07.04
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“Cabo Verde – Kapverdische Inseln”
Reisehandbuch, erschienen 2004 im Reise Know-How Verlag

Autoren: Regina Fuchs, Pitt Reitmaier, Lucete Fortes

Er gilt als das “Standardwerk” unter den Caboverde Reisehandbüchern und ist mit seiner neusten, völlig überarbeiteten Auflage der aktuellste unter den Kapverden Büchern, die sich früher noch “Reiseführer” nannten.

Dass die Autoren wissen worüber sie schreiben liegt auf der Hand: Fuchs, die ursprüngliche Autorin des ersten Werkes, ist Reiseverkehrskauffrau und Kapverden-Liebhaberin seit sie auf Santo Antao in den Jahren 1994-1997 lebte und dort mit half beim Aufbau des “sozial integrierten Tourismus”, wie sie es nennt.
Dr. Pitt Reitmaier ist Tropenarzt an der Uni Heidelberg und arbeitet schon in den 1980er Jahren auf Santo Antao als Distriktsarzt und später als Berater des Gesundheitsministeriums. Er ist ebenso wie Lucete Fortes, der dritten im Bunde, wanderbegeistert und Hobbykartograph, was den Caboverde Fans schon in der Vergangenheit gutes und präzises Kartenmaterial bescherte, welches vorher nicht zu haben war. Fortes ist zudem auf Santo Antao geboren und betreibt in Mindelo (Sao Vicente) einen Touristen-Informations-Kiosk, ist also immer am Puls der Zeit und der Reisenden.

Mit dem Wechsel der Autorenschaft ergaben sich vor allem Änderungen hinsichtlich der Sichtweise und wissenschaftlichen Untermauerung von Beschreibungen. Dort, wo Fuchs noch von “Afrika light” schwärmte, laden Reitmaier und Fortes ein zum Geburtsort und kochenden “Zentrum der Kreol-Kultur”.
Hintergründe werden beleuchtet und diese eigenständige (wenn auch sehr durch Andere beeinflusste) Kultur endlich als das behandelt, was sie ist: Eine eigenständige Kultur mit der Tradition der Vermischung und Migration, mit eigenen Menschen, eigener Musik und eigenen Bräuchen.
Der verklärte Blick Fuchs’ wurde ersetzt durch fundierten und hinterfragenden Journalismus, der zwar teilweise etwas zu wissenschaftlich formuliert, nie jedoch zu detailverliebt, pauschalisierend oder gar grob falsch ist, wie z.B. die im DuMont Verlag erschienenen Bücher zum Thema.
Alleine folgende Textstelle (für die ich den Autoren mehr als dankbar bin!) zeigt den Wandel, der sich vollzogen hat: “Irgendein portugiesischer Demograph in Salazars Zeiten hat sich ein hilflos rassistisch vereinfachtes Schema zurechtgelegt und 70% Mischlinge, 29 % Africanos und 1% Weiße gezählt und wird mit fleißiger Einfalt bis heute abgeschrieben.” Es wurde also endlich aufgeräumt und rassistisch gefärbte Formulierungen komplett gestrichen, wie es für einen zeitgemäßen Reiseführer auch normal sein sollte.

Der Blick hinter die Kulissen und die Erklärung von Bräuchen, Musik, Traditionen und der Geschichte der Inseln, sowie Flora und Fauna, Wirtschaft, Sport und Freizeit hat viel Platz erhalten, die Beschreibungen der einzelnen Inseln sind eher knapp und sachlich, enthalten jedoch erstaunlich viele wichtige Details z.B. für Surfer oder Wanderer. Das Kartenmaterial ist das beste, das man bekommen kann, selbst Ortschaften wie Tarrafal auf Santiago wurden erfasst und nun gibt es endlich eine genaue und richtige Karte für diesen schönen Ort “irgendwo im Nirgendwo” auf Santiago.
Die Insel-Karten enthalten Höhenangaben und Vegetationsvermerke, ungebaute oder nur geplante Strassen wurden sinnvoller Weise weggelassen.
Wichtige Punkte, Ämter, Banken, Hotels und Restaurants sind in den Stadtplänen genau verzeichnet und daher auch für den Neuankömmling einfach zu finden. Bei den Restaurants und Hotels hat man sich Bewertungen verkniffen und dafür lieber etwas Wortkarg formuliert, was sehr schlau ist, denn die Verhältnisse können sich quasi über Nacht ändern und sind dann schon mit erscheinen des Buches Makulatur.
Überhaupt ist dieses Handbuch auf Zeitlosigkeit ausgelegt. Selbst die sonst üblichen ellenlangen Linklisten sind verschwunden. An passender Stelle werden Internetseiten erwähnt und die Autoren führen eine Liste von aktuellen Links auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite, deren Adresse sich wohl nicht in den nächsten Jahren ändern wird.
Kleine Schwächen beim Schlusslektorat lassen sich locker überlesen und entschuldigen, vor allem durch das gesamte Erscheinungsbild, welches abgerundet wird durch tolle s/w Fotos und einen farbigen Bildteil, die viel vom Flair der Inseln und vor allem der Menschen vermitteln.

Der Vorgänger dieses Buches wurde oft als der “beste Reiseführer für Caboverde in deutscher Sprache” bezeichnet, die neuste Ausgabe hat diesen Ruf nun auch endlich verdient!
Er ist mit knapp 500 Seiten etwas dicker geworden als sein Vorgänger, der Preis, stolze 22,50.- Euro ist aber geblieben und sicherlich sein Geld wert.

Das beste und aktuellste Werk über die kapverdischen Inseln darf daher in keinem Reisegepäck fehlen.

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