Kapverden bei Funana.de

Von den Risiken des kleinen Wohlstandes

am 27.11.04
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Die Kapverdischen Inseln - SatelitenfotoDie Kapverden haben sich als Erste aus der Gruppe der ärmsten Länder herausgearbeitet. Doch das Leben in der globalen Mittelklasse ist teuer. Regeln für einen sanften Übergang gibt es nicht.

PRAIA, im November. Es ist eine Erfolgsgeschichte zu erzählen, wie sie es noch nicht gab: Ein Land, das bisher der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder zugerechnet wurde, hat sich herausgearbeitet aus dem Feld der ärmsten Hungerleider, ist aufgestiegen in den Kreis der Länder mit mittlerem Einkommen. 1 440 US-Dollar beträgt in diesem Jahr das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Einwohners der Republik der Kapverden. Das liegt deutlich über der Grenze, die die Uno bei 900 US-Dollar als Grenze zwischen den Ärmsten und den nicht mehr ganz so Armen gezogen haben. Es ist, als zöge ein Staat aus dem globalen Slum um in eine Gegend mit Stromanschluss und Wasserhahn im Hof.

Dass die Kapverden diesen Aufstieg geschafft haben beweist: Jahrzehntelange Entwicklungshilfe kann also doch erfolgreich sein. Das Land erfüllt geradezu mustergültig die Kriterien, die auch Deutschland für eine solche Unterstützung anlegt: Es herrscht eine stabile Demokratie mit funktionierendem Parteiensystem; zweimal haben Wahlen bereits friedliche Machtwechsel gebracht. Gute Regierungsführung, Haushaltsdisziplin, Achtung der Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit, kluger, auch sozial orientierter Einsatz der internationalen Hilfsmittel, Transparenz auch in Finanzfragen bei niedrigem Korruptionsniveau – das wird der früheren wie der heutigen Regierung bescheinigt. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Mitte des Monats das Land besuchte, lobte in einer Rede vor der Nationalversammlung diese “in der Region Westafrika keineswegs normale positive Entwicklung”.

Die Weltbank hat eben die Mittelverwendung umfassend geprüft und ist so zufrieden, dass sie beschlossen hat, ihr Geld nicht mehr über streng kontrollierte Einzelprogramme in das Land zu leiten – seit Oktober fließt es direkt in den kapverdischen Staatshaushalt. “Ein unerhörter Vertrauensbeweis”, findet Joana Brita, verantwortlich für das staatliche Armutsbekämpfungsprogramm: “Die Kapverden erlangen so mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit”.

Und doch bestätigt sich die alte Erfahrung: Jedes Gute hat sein Schlechtes. Zwar ist die Freude allerseits groß, praktisch bringt der Aufstieg in die Mittelklasse zunächst fast nur Nachteile – vor allem durch den Verlust der Vorteile und Schonungen, die ein Land im Club der Ärmsten erfährt. Künftig gibt es keine Kredite mehr für Null Prozent Zinsen, ganz zu schweigen von den so genannten Zuschüssen, also geschenktem Geld. Jetzt sollen Marktkonditionen gelten, also etwa acht Prozent.

Die nächste Hiobsbotschaft kam vorvergangene Woche aus den USA: Die Kapverden fallen wegen der guten Entwicklung aus dem Millenniumsprogramm gegen die Armut heraus.

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