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Kapverden Reisebericht: Maio (mit Videos, Fotos und Restaurant-Tipps)

am 28.12.08
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Maio wird oft zu unrecht bezeichnet als Insel, die man bei seinem Kapverden Besuch “ruhig links liegen lassen” könne.

Maio hat sicherlich keine grandiosen Sehenswürdigkeiten, und bis auf die Kirche in Vila do Maio wird man architektonische Augenweiden vergebens suchen. Maio glänzt auf eine ganz andere besondere Weise.

Maio ist klein und ruhig und hat endlose helle Strände, die zu ausgedehnten Spaziergängen und Wanderungen einladen. Überall gibt es kleine Dinge und Orte die es zu entdecken gilt. Die Bevölkerung ist sehr gastfreundlich und offenherzig, man wird herzlich begrüßt.

Das alte Pier von Maio

Das alte Pier von Maio

Als wir Ende Oktober erfuhren, dass Achim und Gerlinde mit Ihrem Schiff von Santiago nach Maio segeln wollten um dort Reisende abzuholen und mit ihnen nach Fogo und Brava zu segeln, war sofort klar, dass wir sie bitten wollten uns mitzunehmen.

Zwei mal schon hatten wir vergebens versucht nach Maio zu kommen. Beide male kam uns ungünstiges Wetter dazwischen und unser Flug bei der TACV war Ersatzlos gestrichen worden. Achim und Gerlinde luden uns ein und so packten wir unsere Sachen für einen ein bis zweiwöchigen Aufenthalt auf der ehemaligen Viehzucht-Insel mit dem türkisblauen Wasser und hellen endlosen Stränden.

Es war unklar wie und wann wir zurück nach Santiago kommen würden, aber wir machten uns keine große Sorgen, da die Segler spätestens zehn Tage später nochmals in der Bucht von Vila do Maio liegen und sich bei uns melden würden vor der Rückreise nach Santiago.

Segeln bei Gegenwind

Die Fahrt war von ungünstigen Winden geprägt und auch wenn wir nicht seekrank wurden, waren wir doch froh, als wir nach Anbruch der Dunkelheit endlich im Hafen von Maio den Anker warfen. Gerlinde tischte liebevoll ein köstliches Abendessen auf mit Guacamole, geräuchertem Schinken, Spargel im Schlafrock, Schweinekoteletts und anderen Leckereien, aber bis auf ein paar Happen Avocadopüree wollte mein Körper keine Nahrung zu sich nehmen.

Ankunft auf Maio

Am nächsten Tag pellten wir uns aus unseren Kojen und Gerlinde telefonierte mit Bekannten und Freunden in Maio um ihre Ankunft zu bestätigen und sich nach einer Unterkunft für uns zu erkundigen. Ich hatte schon 2004 in Tarrafal auf Santiago Bekanntschaft gemacht mit Elisabeth, die damals gerade dabei war von Deutschland nach Maio umzuziehen um dort eine kleine Pension zu eröffnen.

Gerlinde fragte bei ihr nach, ob eins der beiden Doppelzimmer frei sei und verschwieg dabei aber, um wen es sich bei den beiden Neuankömmlingen genau handele. Elisabeth lud uns ein gegen vier Uhr bei ihr vorbeizukommen und so blieb Zeit um uns von Gerlinde Vila zeigen zu lassen – und auf besonderen Wunsch von uns – die Casas Velhas, die ein Stück weit südlich vom Nachbarort Barreiro liegen. Gerlinde liebt diese schon seit vielen Jahrzehnten verlassene kleine Siedlung und wir hätten wohl keine bessere Führung haben können.

Dorfrundgang in Vila

Zunächst werden wir am Hafen begrüsst von den Deutschen, die die Tour nach Fogo machen werden und setzen uns an der Promenade, die nach Amilcar Cabral benannt ist, zu einem eiskalten Getränk in die Cola Bar. Dann beginnt Gerlinde gemeinsam mit uns durch Vila zu ziehen und uns die wichtigsten Gässchen, Lokale und Geschäfte zu zeigen.

Eins fällt uns sofort auf: Vila ist sauber und die alten Häuschen sind schön rausgeputzt und angestrichen. Vielleicht nicht so wie in S. Filipe auf Fogo, aber ganz bestimmt bunter und schöner als bei uns zuhause in Tarrafal.

Überall werden wir herzlich begrüßt und Gerlinde trifft an jeder Ecke Bekannte, die sich sehr freuen sie wiederzusehen. Die Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen scheint hier noch größer und herzlicher zu sein als andernorts auf den Kapverden, das Leben ist ruhig und friedlich.

Wir kaufen etwas Brot bei der kleinen Bäckerei von Alfonso, schauen uns die katholische Barock Kirche an und gehen zu Fuß zur Escola Primaria wo wir sofort ein Aluguer Richtung Barreiro nehmen können.

Die Straße führt vorbei an dem Elektrizitätswerk der Insel, das schon von weitem zu erkennen ist an dem vor sich hin verrottenden ehemaligen Windrad. Wir fühlen uns an Tarrafal erinnert, wo genau wie hier ein Prototyp aufgebaut wurde, der schon nach kurzer Zeit unreparierbar vor sich hin rostete. Genau wie in Tarrafal ein wahrscheinlich gut gemeintes aber halbherziges Entwicklungshilfeprojekt von Europäern.

Nach Barreiro und zu den Casas Velhas

In Barreiro werden wir von einer Schar Grundschulkinder freundlich begrüßt. Die Kinder lassen es sich nicht nehmen uns die Hand zu geben und uns ein wenig auszufragen. Wiedermal bin ich dankbar dafür, dass unser Kreol mittlerweile recht anständig geworden ist.

Zu Fuß gehen wir Richtung Küste und nach einigen Metern können wir die beiden Häuser von Casas Velhas schon sehen. Der Ort strahlt eine leicht mystische Stimmung aus und ist traumhaft gelegen – zur einen Seite zu einem palmenbewachsenen Ribera in dem immer noch Feldbau betrieben wird, zur anderen Seite ein atemberaubender Blick zur Küste an der große Wellen an den Strand rollen.

Der Rückweg ist genau so unbeschwert wie der Hinweg, denn kaum sind wir in Barreiro, hält ein Mann neben uns und fragt ob wir “Boleia” haben möchten, also eine kostenlose Mitfahrt nach Vila. Im klimatisierten Neuwagen fahren wir wortlos zurück bis zur Shell Tankstelle am Ortseingang und bedanken uns bei ihm für die Fahrt.

Die Casita Verde von Elisabeth

Casita Verde: Das grüne Häuschen auf Maio

Casita Verde: Das grüne Häuschen auf Maio

Als wir um vier Uhr bei Elisabeth vor dem Haus stehen ist die Überraschung gross: “Ach Ihr seid das! Na kommt mal rein, das ist ja schön!”

Wir sind begeistert von der “Casita Verde“, dem bunten Garten, den schönen Zimmern und freuen uns sehr Elisabeth endlich besuchen zu können in ihrem neuen Leben auf Maio. Das Anwesen übertrifft unsere Erwartungen – so luxuriös haben wir seit fast zwei Jahren nicht mehr gewohnt. Gemeinsam werden auf der Terrasse mit Blick über die Salinen hin zum Meer Neuigkeiten ausgetauscht, kapverdischer Kaffee getrunken und schwäbischer Apfelkuchen gegessen.

Die Casita Verde ist ruhig gelegen am Ortsausgang an der Straße Richtung Morro. Der Strand von Vila ist zu Fuß in weniger als fünf Minuten zu erreichen, das Ortszentrum in 10 Minuten.

Eigentlich wollte Elisabeth ein paar Tage Urlaub machen und daher können wir uns aussuchen welches Zimmer wir gerne nehmen würden. Die Zimmer sind beide sehr schön eingerichtet, die Betten haben Moskitonetze, es gibt einen Kühlschrank und ein tolles großes Badezimmer. Die Räume sind auch während der Mittagshitze angenehm kühl. Daneben ist das “Afrika Haus” gelegen, eine Chill-Out Zone in der ein kühler Wind weht und die einlädt sich tagsüber oder Abends bei einem guten Buch oder Musik von Musikern wie Tibao, der gerne vorbeikommt um seine Mornas und lustigen Coladeras von Gitarre begleitet zu singen, einfach nur zu entspannen.

Elisabeth verfügt außerdem über einen großen Fundus an Percussion- und Musikinstrumenten, was nicht verwundert, wenn man weiß, dass sie nicht nur in Deutschland bekannt ist für ihre “Rhythmik Werkstatt” (Die Rhythmik Werkstatt’, ISBN 3-7698-1421-5).

Essen und Trinken in Vila do Maio

In den folgenden Tagen erkunden wir Vila vor allem Abends auf eigene Faust und machen eine Inseltour gemeinsam mit Elisabeth. Hier eine kurze Restaurant und Bar Kritik, rein subjektiv natürlich.

Man darf nie vergessen, dass in Kapverden Qualitätskontrolle und Mitarbeiterausbildung quasi Fremdwörter sind und sich mit dem Wechsel einer Bedienung oder einer Köchin riesengroße Unterschiede ergeben können. So kann also meine Kritik von November 2008 bereits im Sommer 2009 schon wieder Makulatur sein. Man sollte sich immer vor Ort erkundigen und Ausschau halten. Wir sind durch unser Leben auf Santiago schon gewöhnt an die Art der von Kreolen geführten Bars und Restaurants. Oft erkennt man sie gar nicht von außen und häufig glaubt man nicht, dass in Bars auch Essen serviert wird.

Meine Empfehlung ist: Gehen sie herein und fragen sie nach Getränken und Speisen (“Tem kumida?” – “Haben sie etwas zu essen?“). Auch wenn es oft nur eine oder zwei Speisen zur Auswahl gibt – es lohnt sich allemal zu probieren.

Auf der Avenida Almicar Cabral und im Ort gibt es eine Reihe von Bars und Gaststätten, von denen wir einige besucht oder gemieden haben:

- Restaurante Tutti-Frutti
Unter italienischer Leitung. Sehr teuer und landesuntypisch. Wir sind mehrfach gewarnt worden vor dem Lokal und haben uns einen Besuch gespart, die Pizza soll aber lecker sein.

- Admiral Benbow
Unter britischer Leitung, sieht von aussen aus wie ein hippes neues Lokal in der Düsseldorfer Altstadt und die Vorliebe des Besitzers für Beatles Musik hat uns etwas befremdet. Das Essen ist aber günstig und köstlich! Die Bedienungen sind sehr freundlich und konnten sich von uns kaum abhalten lassen Englisch mit uns zu sprechen. Eine klare Empfehlung.

- Olinda (direkt gegenüber vom Admiral Benbow)
Kreolische Leitung, eher ein Kiosk mit ein paar Stühlen und Tischen vor der Tür. Man kann dort essen und etwas trinken, oft wird gegrillt. Die Besitzerin ist sehr freundlich und hilfsbereit, die Angestellten Schlaftabletten ohne Lächeln. Schade, aber kann für einen kurzen Drink oder einen Grill-Snack besucht werden.

- Cola Bar
Typischer Coca Cola Kiosk mit schattiger Terrasse, direkt an der Mauer zum Strand mit tollem Ausblick aufs Meer. Wer kurz vor Sonnenuntergang in die Cola Bar einkehrt, der kann das Treiben im Wasser und am Strand beobachten. Der perfekte Ort für einen Sun-Downer oder kalte Getränke nach dem Strand Besuch.

- Lito (gegenüber von der Cola Bar)
Lito ist ein junger sehr freundlicher Kapverdianer mit der Statur eines Basketballers. Bei Lito kann man auf der schmalen sonnengeschützten Terrasse sitzen mit traumhaften Blick auf die Bucht. Es gibt aktuelle Presse (A Semana, A Nacao), kalte Getränke und einen Imbisswagen bei dem man Hamburger kaufen kann. Bei Fußballspiel-Übertragungen ist der Laden gerammelt voll mit Fernsehzuschauern die leidenschaftlich mitfiebern. Klare Empfehlung.

- Kulor Café
Bar mit Restaurant auf der Dachterrasse. Sehr freundlicher Service, gutes Essen, aber nichts für Sparfüchse. Die Angestellten kümmern sich während unseres Besuchs reizend um die 1 1/2 jährige Tochter der Deutschen Touristen am Nebentisch. Ich esse keins der Kapverdianischen Gerichte, sondern eine leckere Chilli Con Carne, Jenni nimmt die Buzio, eine sehr beliebte Muschelart. Zum Abschluss lädt man uns in die Bar zu einem selbstgemachten Kokosnussponchi ein auf Kosten des Hauses. Man kann im Kulor Café übrigens auch schöne Maio Postkarten kaufen. Empfehlung, wenn der Geldbeutel nicht zu klein ist.

- Container Bar (bei Martina)
Direkt rechts hinter der Kirche gelegen. Die Speisekarte ist klar auf Touristen ausgerichtet. Es gibt Kuchen, Hefeteig-Pizza, Crepes, Sandwiches, Hamburger, selbstgemachte Pommes und man sitzt unter einem Sonnendach bei Kapverdischer Musik. Der Vorteil hier ist, dass man den ganzen Tag über, auch Nachmittags wenn andere Lokale geschlossen sind, zum Imbiss einkehren kann. Die Bedienung ist freundlich, die Preise fair. Wir haben Crepes und Hamburger mit Pommes gegessen, sehr anständig. Auch hier eine Empfehlung.

- Ana Rita
Kleine von einer Kreolin geführte Pension mit Dachterrassen-Restaurant, hinter der katholischen Kirche. Bei unserem Abendessen war die Chefin nicht vor Ort, die Angestellten waren unfreundlich und träge und haben uns zum Abschluss noch falsch rausgegeben. Eher teuer, das Essen war mittelmäßig.

- Elizabet (Esplanada neben der Post, bei der roten Cola Bar)
Kleines Lokal, dass sich auf gegrillten Fisch nach Maioneser Art spezialisiert hat. Der Fisch wird in Essig, Zwiebeln und Limetten mariniert. Das Lokal ist sehr schlicht und ärmlich eingerichtet, wohl kann man aber einen Tisch auf die Esplanada stellen und unter freiem Himmel essen. Die Bedienung ist freundlich, der gegrillte Fisch köstlich. Sehr faire Preise, schlichtes Ambiente. Klare Empfehlung, wenn man Kapverdische Verhältnisse gewohnt ist und kein vier Sterne Restaurant erwartet.

- Lena (Eckhaus hinter dem Casas Financas, überhalb vom Kulor Café)
Lenas Restaurant haben wir durch Zufall gefunden auf unseren Streifzügen durch das Städtchen. Auch hier wird regelmäßig Fisch gegrillt. Meist gibt es ein oder zwei Gerichte zur Auswahl. Lena ist sehr freundlich und aufmerksam, die Speisen köstlich, die Preise günstig. Später wurde uns berichtet, dass es sich anbietet vorher den Preis der Speisen zu erfragen, da Lena es nicht ganz so genau nähme. Wir haben nichts derartiges erlebt, uns gut mit ihr und ihrem Mann verstanden und ihr Restaurant mehrfach besucht. Die Einrichtung ist ungemütlich, der Raum aber groß. Ganz klar zu empfehlen, da bestes Preis-Leistungsverhältnis.

Strandwanderung von Vila nach Calheta

Strandwanderung nach Calheta

Strandwanderung nach Calheta

Eines Morgens brechen wir auf um der Küste entlang von Vila nach Calheta zu wandern.

Wir haben ausreichend Wasser und Sonnenschutz in Form von Creme und leichten Tüchern eingepackt, ich trage eine Kappe. Die Wanderung dauert etwa 3 1/2 Stunden, zwischendurch erfrischen wir uns im Meer – allerdings nur am Strand mit Sand unter den Füßen, denn die Brandung ist stark und die Strömung zieht tückisch raus aufs Meer, sehr gefährlich also.

Vorbei am Bela Vista und einer anderen verlassenen Ferienanlage stapfen wir durch den Sand. Links schauen wir übers Meer nach Santiago, rechts sehen wir die wenigen Berge von Maio.

Das Spektakuläre an dieser Wanderung ist, dass es nichts Spektakuläres gibt. Endloser Strand, Strand und nochmals Strand. Wir lassen die Seele baumeln und uns vom Wind kühlen und sind froh genug Wasser mitgenommen zu haben und lockere Tücher, denn trotz Sonnenmilch beginnt sich meine linke Körperhälfte zu röten.

Zwischendurch kommen wir an zwei Gruppen von Fischern vorbei, die von Land aus mit Angeln auf Fang gehen. Wir sammeln Seeigel und Muscheln.

Als Calhetta vor uns auftaucht sind wir froh ein Stückchen Zivilisation zu sehen und gehen dann vom Strand aus in die Dorfmitte. Calheta ist auf Maio eher dafür bekannt unfreundlicher zu sein, Berichte über Gewalt und Verbrechen, die hier sonst nie vorkommen, beginnen meist mit “In Calheta…”.

Wir gehen durchs Dorf, man grüßt uns freundlich und wir finden eine Bar an der Straße Richtung Vila in der man uns mit frischen Getränken versorgt. Draußen sitzt ein Gitarrist mit einer Frau die ein wenig singt, zwischendurch dröhnt Blyk Tchutchi aus den Lautsprecher-Boxen.

Nach ein wenig Small Talk fragen wir nach einem Wagen zurück nach Vila und man empfiehlt, dass wir uns an die Straße hinter der Kirche setzen sollen. Gesagt getan, verlassen wir das Lokal und warten keine fünf Minuten auf ein Aluguer, das uns zu zweit für 280 Escudo nach Hause bringt. Wir sind erschöpft und glücklich.

Inselrundfahrt

Wir fragen Elisabeth, ob wir eine Inselrundfahrt mit ihr unternehmen können. Am nächsten Morgen brechen wir mit Kameras bewaffnet auf. Elisabeth hat einen Pick-Up geliehen, der uns auch an entlegenere Stellen bringen soll.

Wir fahren vorbei an den Salinen und durch Morro, auf der rechten Seite beginnt der aufgeforstete Akazienwald, immer wieder fallen die kleinen Viehställe auf, die aus runden Bruchsteinmauern bestehen und im Schatten der Akazien stehen.

Der Wald hat nicht den erhofften Regen gebracht, die Pflanzen sind keine heimischen Gewächse und benötigen eigentlich viel Wasser, aber immerhin trotzen sie der Trockenheit auch über Jahre hinweg. Der Wald hat einigen eine Existenzgrundlage geschaffen, denn in Köhlereien wird Grillkohle hergestellt, die auf der Insel verkauft und nach Praia exportiert wird. Die Kohle ist von sehr guter Qualität, da sie sehr fest ist und heiss brennt.

Dünen und menschenleere Strände

Da wir Calheta bereits besucht haben, fahren wir weiter Richtung Dünen im Nord-Westen der Insel, vorbei an einer rauchenden Köhlerei.

Wir laufen die Dünen herauf und genießen den Ausblick über die Insel und den Blick auf die Bucht von Ponta do Pau Seco, Calhetinha und Baia Santana. Strand soweit das Auge reicht.

Wir fahren querfeldein durch eine alte Saline zum Strand von Baia Santana. Die alte Saline kann nur befahren werden wenn es wirklich trocken ist, denn unter der Sand- und Erdschicht befindet sich Salz, das bei Regen zu einer tiefen Schlickschicht wird und die Piste in ein unpassierbares Schlammloch verwandelt.

Praia Santana ist völlig menschenleer und es ist zu hoffen, dass dies auch so bleibt, denn der Strand dient großen Krabben als zuhause und Schildkröten als Brutplatz. Die Strömungen hier im Norden sind so tückisch, dass man hier kaum baden kann – kein guter Ort für die Freizeitindustrie also.

Pause in Morrinho

Wir fahren nach Morrinho. In einem kleinen Schulgebäude findet Grundschulunterricht statt, gegenüber treffen wir den Köhler Valdomiro, dessen Tochter Jaimina einen kleinen Laden mit Bar betreibt. Er erzählt uns von seiner Arbeit im Wald und dass er enttäuscht sei, dass es zwar in Vila viel geregnet hatte, nicht aber in Morrinho. Die Akazien hätten es bitter nötig gehabt. Wir fragen ihn, was er mit dem gesammelten Kleinholz mache und er antwortet, dass dieses ebenfalls verkauft würde als Brennholz zum Kochen.

Da Jaimina gerade in Vila zum Einkaufen ist, schließt uns ihre hübsche jüngere Schwester die Bar auf und bedient uns. Kaum ist der Laden aufgeschlossen, betreten Kunden das Lokal. Ein kleiner Junge kommt herein und kauft ein Pfund Reis. Er verlässt den Laden und kommt umgehend wieder um einen Löffel Butter und zwei Löffel Tomatenmark, sowie eine Zwiebel zu erwerben.

In Kapverden ist diese Form des Verkaufs von Kleinstmengen immer noch weit verbreitet. Viele Menschen sind einfach so arm, dass sie keine größeren Mengen an Lebensmitteln kaufen können, Kühlschränke sind Luxusgüter und so bietet es sich an, eben immer nur für das nächste Essen einzukaufen.

Mein Kreislauf sackt in den Keller und ich werde müde, was wohl auch an dem guten Rotwein liegt, den wir am Abend zuvor reichlich getrunken hatten. Wir brechen auf um durch die Wälder von Cascabulho nach Pedro Vaz an der Ostküste zu fahren.

Politik und heißes Brot in Pedro Vaz

Mittagshitze in Pedro Vaz

Mittagshitze in Pedro Vaz

In Pedro Vaz werden wir freundlich begrüßt von einigen Einwohnern, die sich in der Hitze unter einem großen Baum gegenüber von der Kirche versammelt haben.

Wir unterhalten uns, sprechen kurz über die Wahl von Barak Obama, der Tags zuvor zum ersten schwarzen Präsidenten der USA gewählt wurde.

Man hat große Hoffnung, dass Obama die Welt zu einem friedlicheren Platz machen könnte und dass die Stellung Afrikas in der Weltpolitik nun größere Bedeutung gewinne.

Wir fotografieren die schöne Kirche und ein paar Häuschen und werden von Olivio eingeladen auf “Pao Kenti“, frischem heißen Brot. Wir sagen ihm, dass wir zuvor noch eine Runde gehen wollen (“Bai um volta“) und auch die örtliche Bar besuchen möchten um etwas zu trinken.

Die Kirche von Pedro Vaz

Die Kirche von Pedro Vaz

Die Bar besitzt einen Nebenraum, eine kleine Diskothek mit einer Licht- und Musikanlage, in der am Wochenende getanzt und gefeiert wird. Die Bar ist ausgeschmückt mit Fotos der örtlichen Fußballmannschaften, Pokalen und Fotografien von großen Frachtschiffen. Der Mann der Besitzerin arbeitet für eine Holländische Reederei.

Mit uns sitzen zwei junge Männer in dem Lokal, die offensichtlich auf dem Bau arbeiten und ihren Mittags-Grogue trinken. Wir verabschieden uns von der freundlichen Gastwirtin und gehen zum Haus von Olivio, zu dem uns zwei kleine hübsche Mädchen mit Rotznasen führen.

Mit großem Hallo werden wir ins Haus gebeten und sogleich ins Wohnzimmer geführt, wo wir uns auf die roten Polster setzen. Ein Sohn kommt herein und legt eine Musik CD in den DVD Player, Zeichen von Wohlstand und Modernität der Familie.

Olivios Frau will uns das Haus zeigen und wir werden durch die Räume in den Hof geführt, wo auch der Ofen steht. Olivio öffnet die Klappe und der Geruch frischen Brots steigt uns in die Nase. Sein Sohn eilt herbei mit einer Schale für das heiße Brot und wird sofort weiter geschickt um Messer und Margarine zu bringen.

Wir lassen uns den Ofen noch etwas genauer zeigen und gehen ins Wohnzimmer zurück um die köstlichen Brötchen zu verspeisen. Zum Abschluss bringt man uns eine große Tüte mit Brot und wir müssen einige Überzeugungsarbeit leisten um dafür bezahlen zu dürfen.

Elisabeth und Olivio tauschen ihre Telefonnummern aus, damit sie in Zukunft anrufen kann bevor sie mit Besuchern nach Pedro Vaz kommt. Olivio schlägt vor dann frischen Ziegenkäse zum Brot zu besorgen. Wir verabschieden uns von der Familie und sind immer noch überwältigt von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen, als wir Pedro Vaz verlassen.

Der mühsame Berg und neue Mitreisende

Buzio: Muschelberge am einsamen Strand

Buzio: Muschelberge am einsamen Strand

Nach einem kurzen Abstecher zur Bucht von Praia Goncalo, wo Muschelberge von dem Fang der so beliebten Buzio zeugen, fahren wir ein Stück zurück und dann zur Kapelle N.S. do Rosário, die am Fuß des Monte Penoso, dem “mühsamen Berg”, liegt.

Hier soll die erste feste Siedlung Maios gestanden haben, die später noch als Zufluchtsort während Piratenüberfällen im Süden der Insel gedient hat.

Wir wollen weiter nach Ribera Dom Joao und kommen durch Alcatraz wo wir eine Runde drehen. Überall wird gewunken und gerufen und wir halten an einem Haus an dem Kinder im Schatten auf der Veranda ein Tipp-Kick Spiel improvisiert haben.

Zwei Margarinedosen dienen als Tore, die Spieler bestehen aus Getränkeverschlüssen und der Ball ist eine kleine Glasmurmel. Die Spieler werden der Reihe nach mit einem Plastikstück in Richtung Ball und Tor geschnippt.

Tipp-Kick auf Kapverdisch

Tipp-Kick auf Kapverdisch

Wir erzählen den Kids begeistert, dass wir dieses Spiel auf Santiago noch nicht gesehen haben, es aber unter dem Namen “Tipp-Kick” aus Deutschland kennen und loben die Kreativität der Jungs. Der Vater erlaubt uns stolz einige Fotos zu Dokumentationszwecken zu machen.

Eine Bananenverkäuferin fragt uns nach “Boleia“, einer Mitfahrgelegenheit, und springt auf die Ladefläche des Pick-Ups. Umstehende Kreolen beschweren sich sogleich lautstark und fragen warum sie denn nicht im Schatten im Inneren des Wagens mitfahren wolle, worauf wir anhalten und sie hereinbitten.

Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel und innen ist es doch viel bequemer. Sie gibt uns ein paar Bananen, wir geben ihr Brot von Olivio, den sie natürlich kennt.

Frischer Ziegenkäse in Ribera Dom Joao

Vorbei an Pilao Cao fahren wir auf die neu asphaltierte Straße Richtung R. Dom Joao. Auf dem Weg steigen noch Schulkinder auf die Ladefläche und die Bananenverkäuferin tauscht ihren Platz mit einer hochschwangeren jungen Frau.

In Figueira, das seinen Namen von den Feigenbäumen der Gegend bekommen hat, lassen wir alle aussteigen, nur die Verkäuferin begleitet uns weiter.

Der mühsame Berg

Der mühsame Berg

Als wir in Ribera Dom Joao in Schritttempo hereinfahren bleiben wir an jedem zweiten Haus stehen, Elisabeth wird fröhlich begrüßt und man beklagt, dass sie schon so lange nicht mehr zu Besuch gekommen sei.

Man erkundigt sich nach Gesundheit und Familie, erzählt Neuigkeiten und die Bananenfrau steigt aus, als sie eine Freundin am Weg ausmacht um dort auf uns zu warten.

Wir machen einen Abstecher zur Küste mit ihren traumhaften Stränden. Zurück im Ort besuchen wir die Bar von Maria Martha, Frau von Romeo, die sich in einem großen modernen orangefarbenes Haus mit Dachterrasse befindet.

Mini Mina, die Mutter von Romeo, trägt ihren Namen nicht umsonst. Die eine alte Frau mit umwerfenden Lächeln und dem Kichern eines kleinen Schulmädchens ist vielleicht 1,50 Meter groß. Sie umarmt und küsst Elisabeth und begrüßt uns herzlich.

Wir werden in die Bar geführt, wo wir einen kalten Saft trinken und uns mit Maria Martha unterhalten über die wirtschaftliche Lage Kapverdens, Versorgungsengpässe auf Maio, die Probleme mit der Electra und der CV Telecom und natürlich die Wahlen in den USA. Maria Martha äußert sich besorgt, denn sie fürchtet dass Obama einem Anschlag zum Opfer fallen könnte. Gleichwohl ist auch sie guter Dinge, dass sich nun einiges zum Besseren wenden wird.

Während uns Mina auf die Dachterrasse führt und uns die “Orta“, den Feldbau und die Gärten hinter R. Dom Joao zeigt, geht Maria ins Haus um uns frischen Ziegenkäse zu holen, den wir ihr abkaufen möchten. Mina hat auf der Dachterrasse einen kleinen Kräutergarten in Plastiktöpfen angelegt und wir sind erstaunt, dass sie viel Basilikum anpflanzt. Sie gibt uns Basilikum-Samen mit und erklärt gegen welche Leiden ihr ein Basilikum-Tee hilft.

Der Käse, den uns Maria verkauft ist anders als der Käse von Fogo oder Santo Antao. Feiner und etwas milder aber mindestens genau so köstlich! Wir werden zum Auto begleitet, die Bananenverkäuferin kommt hinzu und wir machen uns auf Richtung Vila do Maio.

Neubauten am Ponta Preta

Barreiro besuchen wir nicht, denn es ist schon spät und wir hatten den Ort bereits gemeinsam mit Gerlinde besucht. In Vila biegen wir links ab und fahren durch eine Neubausiedlung zum Strand von Ponta Preta.

Die Siedlung ist ein Sammelsurium von Europäischen Baustilen, ein Italiener hat sich eine absurde Burg mit Türmen und Zinnen gebaut. Hier wohnen also die Reichen von Vila, hier bauen ausländische Investoren ihren Alterswohnsitz. Der Strand, der zur linken Seite liegt ist traumhaft.

Schade, denken wir, dass die Landschaft mit den hässlichen Prachtbauten verschandelt wird und fahren erschöpft im Sonnenuntergang nach Hause zur Casita Verde.

Entspannung pur

Wir verbringen noch einige Tage in Vila, gehen Abends zum Strand und entspannen uns. Maio ist ganz bestimmt kein Ort für Sensationen und Halli-Galli Urlaub.

Maio überzeugt durch seine Ruhe, seine endlosen traumhaften Strände und seine teilweise wüstenartige Landschaft.

Was aber das tollste an Maio ist, sind seine Menschen.

Frauen in Barreiro beim Mittagsplausch

Frauen in Barreiro beim Mittagsplausch

Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft die wir hier erlebt haben war überwältigend. Maio Besuchern empfehle ich dringend den Kreol Kauderwelsch Sprachführer und den kleinen Funana.de Sprachführer zum Erlernen der wichtigsten Umgangsformen und Phrasen auf Kriolu.

Ein Small-Talk ist nicht schwer. Man erkundigt sich nach dem Befinden, wie es der Familie geht und erzählt vielleicht ein bisschen woher man kommt, wie man gekommen ist und dass man zu Besuch ist und es einem sehr gefällt. Als Themen bieten sich außerdem der (ausbleibende) Regen, die Kinder, Fußball und allgemeines Weltgeschehen.

Kapverdianer sind sehr Sprach- und Kulturinteressiert und die Unterhaltung mit ihnen fällt leicht. Man kennt die Verkrampftheit, die wir in Deutschland so oft antreffen, nicht.

Wenn Sie eingeladen werden in ein Haus, dann geben Sie sich einen Ruck und folgen der Einladung. Ich habe bis heute immer noch Probleme meine Unsicherheit zu überwinden, tue es aber regelmäßig und habe es noch nie bereut.

Jedesmal gehe ich mit hüpfendem Herzen und einem guten Gefühl weiter und freue mich, dass man mich so gut behandelt hat.

Wer Maio mit offenen Augen und Ohren besucht, der wird empfangen werden mit offenen Armen.

Bis bald Maio, ich vermisse Dich schon jetzt!

[Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Jennifer Jane Smith]

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Reif für die Insel?



11 Kommentare

  1. Jaylson

    Der Käse aus ribeira dom joao stammt von meiner Oma :) Romeos Mutter wird Mina genannt und nicht Mini obwohl sie klein ist hat der Name nichts mit ihrer grösse zu tun. Die Meinung über die Neubauten der Ponta Preta stimme ich zu ;)

  2. Hallo Jaylson,
    vielen Dank für die Korrektur, hab’s geändert.
    Auf den Käse kannst Du stolz sein. Hammer!

  3. Wolfgang( MaioWolfgang)

    Hallo,
    endlich mal ein liebevoller reisebericht über die insel ,und vor allem über die menschen
    auf maio. ich bedanke mich sehr für die mühe die ihr euch gemacht habt.
    liebe grüße aus münchen. bin seit zwei tagen wieder im kalten germany!

  4. Jaylson

    Ja ich stimme dem auch zu, dankeschön !! Und auch für die Korrektur :)

  5. Wolfgang( MaioWolfgang)

    Hallo Jaylson,koennte es sein das wir uns kennen ???

  6. Einer wünderbar reportajen über Kap Verden.
    Hertzlichen glückwünsch, und viel erfolg für jhre drehung von diese film.
    Ich bin aufmerksam geworden durch Pensäo
    Casita – Verde., Waltraud Elisabeth Herdtweck.
    Ich habe diese Frau, in Flughafen von Praia getrofen, und dort sprechen wir über seine Casita Verde, in Maio.
    Durch seiner visiten karte, suche ich seiner adresse, schauen seiner wünderbar homepage, und komme ich an ihre adresse.
    Gut arbeit geleistet., und bin überreicht geworden.
    Ich werde ihnen weiter empfehlen.
    Ricardo da Silva.
    Aus Frechen -bei- Köln.

  7. I am sorry to say that I do not speak German, so translated the text in Google.
    I just wanted to say what a beautiful and fact full journal of you visit you have, and Elisabeth and Casita Verde are the best.
    Thank you.
    Mark.

  8. Hey Mark, no problem with english :) Thank you for the compliment!

  9. petra neese

    ein suuuuper bericht, bin hin und bald dort.
    werde bestimmt nochmal schreiben wegen tips flug + übernachtung+preis.vielleicht würdest du mir behilflich sein.
    nochmals super.
    grüße petra

  10. Jaylson

    Guten abend

    @ Wolfgang:

    Man sieht ja wie oft ich hierher komme :) . Also Wolfgang wir kennen uns nicht, aber könnten ruhig in Kontakt kommen , ist ja nie schlecht!

    Grüsse

  11. Suse

    Hallo zusammen,

    ich möchte hier mal eine weitere Übernachtungsmöglichkeit nennen, weil das echt was ganz besonderes ist. Zwei deutsche Auswanderer haben direkt am Strand von Calheta einen Turm gebaut. Das ist saugemütlich und günstig. Die Betreiber sind sehr nett und hilfsbereit. Wer Interesse hat, kann sich ja mal die Webside anschauen:
    http://www.inseltraum.biz

    Grüsse

    Suse

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